Die Mischung macht’s

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Wir Deutsche lieben unseren Honig. Das wird auch immer wieder deutlich, wenn neue Zahlen zum hiesigen Honigkonsum veröffentlicht werden. Im Jahr 2018 wurde etwas mehr als ein Kilo Honig pro Kopf verzehrt. Um diese Beliebtheit nach dem süßen Bienennektar zu stillen, importieren die deutschen Honig-Abfüller den Honig aus der ganzen Welt. Dabei macht es keinen Unterschied, aus welcher Region der Honig stammt. Denn der Ursprung des Honigs ist immer die Biene – und diese leben auf der gesamten Welt verteilt. Trotzdem können sich auch einzelne Honigernten des gleichen Bienenvolks immer wieder unterscheiden. Doch wie schaffen es die Honig-Abfüller dann, dass sich der Honig im Supermarkt immer durch einen gleichbleibend guten Geschmack auszeichnet?

 

Honig bei Wind und Wetter?

Honig ist ein reines Naturprodukt – vollständig erzeugt von fleißigen Bienen. Wie alle anderen Naturprodukte ist Honig deshalb im hohen Maße durch die äußere Umwelt der Bienen beeinflusst. Denn welche Blüten die Bienen anfliegen und welchen Nektar sie sammeln können, ist immer abhängig von den jeweiligen Witterungsbedingungen. So können Dürre oder extreme Feuchtigkeit die Eigenschaften von Pflanzen verändern, Überschwemmungen oder Stürme können sie sogar zerstören. Die Bienen können nur Blüten anfliegen, die auch tatsächlich für sie verfügbar sind. Welche Blüten das aber genau sind, unterscheidet sich bei jeder Honigernte. Deshalb können sich bei jeder Honigernte auch wieder leichte Unterschiede hinsichtlich des Geschmacks, der Konsistenz oder der Farbe des Honigs ergeben. Die variablen Witterungsbedingungen und die Gefahr von Umweltkatastrophen sind somit wichtige Faktoren dafür, dass die Bienen nicht immer den gleichen Honig produzieren können. Daneben besteht auch die Gefahr von Ernteausfällen. So kann auch beim Honig, aufgrund äußerer Umstände, die Ernte geringer ausfallen als erwartet. Schuld daran müssen nicht immer nur die Witterungsbedingungen haben, auch der Befall von Parasiten wie der Varroamilbe (honig-verband.de/varroamilbe) kann Grund für Ernteausfälle sein.

 

Die Kunst des Mischens

Beim Einkauf von Honig stehen die hiesigen Honig-Abfüller dabei also vor vielen Herausforderungen, schließlich können sie die äußeren Einflüsse bei der Honigproduktion durch die Bienen und der Ernte durch die örtlichen Imker nicht beeinflussen. Trotzdem müssen sie den Kundinnen und Kunden ein Produkt mit hoher Qualität bieten, das zudem einen gleichbleibend charakteristischen Geschmack bewahrt. Um diesen Hindernissen in der Honigabfüllung vorzubeugen, legen die Abfüll-Betriebe daher einerseits einen großen Wert auf die Qualitätssicherung und das permanente Testen des angekauften Honigs. Andererseits setzen sie auf die Mischung von verschiedenen Honigen, um den Endverbrauchern ein verlässliches Produkt mit hoher Qualität und gleichbleibenden Geschmack zu bieten. Bei der Verarbeitung des eingekauften Honigs mischen sie die verschiedenen Honige aus verschiedenen Teilen der Welt – in einem ganz bestimmten Verhältnis, um den Geschmack und die Konsistenz zu erzeugen, die die deutschen Kundinnen und Kunden am Honig lieben. Auf diese Weise können sie auf schwankende Honigmengen durch Ernteausfälle, zum Beispiel aufgrund ausbleibender oder mangelhafter Honigproduktion durch die Bienen, reagieren. Indem sie die verschiedenen Honige mischen, sorgen sie für eine langfristige Kontinuität im Honigglas. Das ist wichtig, da auch die Verbraucherinnen und Verbraucher hohe Anforderungen an Geschmack und Konsistenz des Honigs legen. Durch das gezielte Mischen verschiedener Honige können die Abfüller diesen Anforderungen gerecht werden. Dabei bleibt der Honig ein reines Naturprodukt, denn die Zugabe von Fremdstoffen ist auch bei der Mischung von verschiedenen Honigen verboten.

 

Mischungen garantieren hohe Qualität

Das Mischen von verschiedenem Honig aus der ganzen Welt ist eine wichtige Maßnahme, mit der die gleichbleibend hohe Qualität im Honigglas sichergestellt wird. Die Abfüller produzieren den Honig damit ganz im Sinne der Honigrichtlinie, denn der natürliche Charakter des Honigs wird beim Mischen gewahrt. Durch die umfangreiche Kennzeichnungspflicht wissen die Verbraucherinnen und Verbraucher immer, woher der Honig stammt – ohne eine undurchsichtige Informationsflut und Bürokratisierung in der Produktion befürchten zu müssen. Die Honigrichtlinie schafft an dieser Stelle die sinnvolle Unterscheidung zwischen Honig aus EU-Ländern und Nicht-EU-Ländern. Sie verhindert, dass, aufgrund politischer Gegebenheiten, auf qualitative Unterschiede zwischen Honigen aus unterschiedlichen Ländern geschlossen wird, die in der Realität gar nicht bestehen. Schließlich produzieren immer Bienen den Honig – unabhängig von Landesgrenzen und politischen Verhältnissen. Das Mischen der Honige gewährleistet, dass die Verbraucherinnen und Verbraucher ein verlässliches Produkt erhalten – in Geschmack, Konsistenz und Qualität. Schwankungen innerhalb einer Honigsorte sind, aufgrund natürlicher Umstände bei der Honigproduktion durch die Bienen, der Normalfall. Das Mischen von Honigen beugt effektiv gegen die Unsicherheiten vor, denen sich die Honig-Abfüller beim Einkauf entgegengesetzt sehen. Denn auch die stärkste Biene kann keinen Nektar sammeln, wenn die Blüten durch Sturm, Regen oder Hitze zerstört worden sind.

 

Eine genaue Angabe der Herkunftsländer wirkt jedoch irritierend auf die Kundinnen und Kunde, schließlich weisen diese auf Qualitätsunterschiede hin, die allerdings gar nicht vorhanden sind.