POLITIK & HONIG

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Fakten für eine sichere Versorgung

 

EDITORIAL

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

Honig ist mehr als ein Lebensmittel – er ist Kulturgut, Naturprodukt und ein Symbol für Nachhaltigkeit. Deutschland kann seinen Honigbedarf nicht aus eigener Produktion decken. 70  Prozent des Honigs in deutschen Regalen stammen aus Importen. Ohne diese Importe müssten Verbraucher:innen auf rund 50.000 Tonnen Honig pro Jahr verzichten.

Importhonig sichert die Versorgung, schafft globale Partnerschaften, bringt Vielfalt ins Glas und ist ebenfalls Imkerhonig, nur nicht vom Imker „nebenan“ – sondern von Imkereien weltweit. Es handelt sich um das gleiche Naturprodukt, hergestellt von Bienen und je nach Importland auch von kleinen traditionsreichen Familienbetrieben geerntet. Gleichzeitig unterliegt er denselben strengen Qualitätsstandards wie heimischer Honig. Moderne Analyseverfahren zur Überprüfung der Authentizität können zusätzliche Sicherheit schaffen, sollten aber vor dem Einsatz stets wissenschaftlich fundiert überprüft und transparent gemacht werden. Ein Beispiel hierfür ist die DNA-Analyse, die all diese notwendigen Voraussetzungen zum jetzigen Zeitpunkt nicht erfüllt. Wir laden Sie ein, gemeinsam mit uns für eine faktenbasierte, faire und nachhaltige Honigpolitik einzutreten, die Menschen, Märkte und Kulturen verbindet.

 

Mit freundlichen Grüßen,
Ihr Honig-Verband e.V

 

Warum brauchen wir Importhonig?

 

Deutschland ist eins der Länder mit dem höchsten Honigbedarf Europas. Doch die heimische Produktion deckt nur etwa ein Drittel des Bedarfs. Gründe dafür sind:

 

  • Klimawandel und Wetterextreme, die Ernten unberechenbar machen.
  • Bienensterben (z.B. aufgrund von Krankheiten) und veränderte Umweltbedingungen.
  • Steigende Nachfrage nach naturbelassenen Lebensmitteln.

 

Fazit: Ohne Importhonig wäre eine ganzjährige Versorgung in verlässlicher Menge und Qualität nicht möglich.

 

Qualität und Sicherheit – gleiche Standards für alle

 

Importierter Honig ist genauso sicher wie deutscher Honig. Die in der EU und Deutschland geltenden lebensmittelrechtlichen Vorschriften, für Deutschland insbesondere die deutsche Honigverordnung, resultierend aus der EU-Honig-Richtlinie, schreiben einheitliche Qualitätsstandards unter anderem für

 

  • Physikalisch-chemische Parameter,
  • Rückstandshöchstgehalte
  • sowie Kennzeichnungspflichten vor.

 

Importeur:innen lassen jeden nach Deutschland eingeführten Honig von unabhängigen Laboren auf Qualität und Authentizität prüfen – immer durch Anwendung mehrerer etablierter Analyseverfahren. Die Rückverfolgbarkeit wird im Unternehmen ebenfalls gewährleistet und ist transparent.

 

Ein wichtiger Fakt: Die Herkunft beeinflusst nicht die Einhaltung
der oben genannten Normen

 

 

Authentizitätsanalysen: Chancen und Grenzen

 

Die neue DNA-Analyse gilt als vielversprechendes Instrument, um zukünftig die botanische und geografische Herkunft von Honig prüfen zu können. Sie hat Potenzial, zukünftig Falschdeklarationen zu verhindern und das Vertrauen in die Qualität zu stärken. Die Methode basiert darauf, winzige DNA-Spuren aus Pollen im Honig zu isolieren. Diese werden mit Referenzdatenbanken abgeglichen, um Rückschlüsse auf Pflanzenarten und Herkunftsregionen zu ziehen. Erste Studien zeigen, dass DNA-Analysen eine höhere Genauigkeit als klassische Pollenanalysen bieten könnten. Sie könnten künftig eine wichtige Rolle in der amtlichen Lebensmittelkontrolle spielen.

 

Doch die Realität ist komplex:

 

  • Die DNA-Profile von Honig sind nicht standardisiert. Es gibt derzeit keine belastbare Referenzdatenbank, die den Abgleich erlaubt.
  • Die Korrelation zwischen DNA-Ergebnissen und Honigqualität oder ­-fälschung ist wissenschaftlich nicht abgesichert.
  • Äußere Einflüsse wie Lagerung, Erwärmung oder Enzymaktivität können die DNA-Struktur im Honig beeinflussen und verfälschen das Ergebnis.
  • Die Quantifizierung der DNA im Honig erlaubt keine Aussagen zur Zusammensetzung des Honigs im Sinne der Honigrichtlinie.

 

Diese Unsicherheiten bergen Risiken: Eine vorschnelle Einführung der DNA-Analyse in die amtlichen Kontrollen ohne Klärung der noch offenen Fragestellungen könnte zu Fehlinterpretationen und ungerechtfertigten Marktverzerrungen führen.

 

Unsere Position

 

Für eine methodisch fundierte Anwendung der DNA-Analytik müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

 

  • Aufbau einer umfassenden, offen zugänglichen DNA-Datenbank
  • Transparente Interpretation und Dokumentation von Schwellenwerten
  • Harmonisierung der Extraktions- und Analyseverfahren
  • Nachweis interlaboratorischer Reproduzierbarkeit (sog. Ringversuche)

 

Der Honig-Verband unterstützt die Weiterentwicklung der DNA-Analyse ausdrücklich – aber auf wissenschaftlicher Basis. Wir engagieren uns in Projekten wie dem „HarmHoney“ Projekt der EU-Kommission, die einheitliche Honig-Standards für Analyse und Bewertung schaffen sollen. Nur Verfahren, die interlaboratorisch reproduzierbar und international anerkannt sind, dürfen Grundlage für amtliche Kontrollen werden.

 

Globale Partnerschaften – Nachhaltigkeit fördern

 

Honigimporte sind nicht nur eine Frage der Versorgung und Vielfalt, sondern auch der globalen Verantwortung. Sie schaffen:

 

Wirtschaftliche Perspektiven:

  • Einkommen für Imkerinnen und Imker in den Herkunftsländern. Dies sind oft kleine, traditionsreiche Familienbetriebe.
  • Langfristige Handelsbeziehungen, die faire Preise und Investitionen in Qualität ermöglichen.

 

Nachhaltigkeit und Biodiversität:

  • Importe fördern umweltfreundliche Landwirtschaft und den Schutz von Bienenpopulationen.
  • Wer vom Honig lebt, hat ein Interesse an intakten Ökosystemen.

 

Globale Verantwortung:

  • Importhonig unterstützt die UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs).
  • Er verbindet Versorgungssicherheit mit ökologischer und sozialer Stabilität.

 

Vielfalt im Glas – Wertschätzung für Herkunft

 

Honig ist nicht gleich Honig. Importhonig bringt eine einzigartige Vielfalt in die Regale: von mild-blumigen Sorten bis hin zu kräftigwürzigen Aromen. Sorten wie Manuka-, Orangenblüten- oder Eukalyptushonig sind in Deutschland nicht produzierbar, erfreuen sich jedoch besonderer Beliebtheit bei den Verbraucher:innen. Jede Herkunft erzählt ihre eigene Geschichte und macht die kulturelle und ökologische Vielfalt der Honigproduktion weltweit sichtbar.

Diese Vielfalt ist ein Gewinn für Verbraucher:innen: Sie profitieren ganzjährig von einer großen Auswahl und stabilen Preisen. Importhonig ergänzt die heimische Produktion, ersetzt sie aber nicht – er sorgt dafür, dass Honig für alle verfügbar bleibt.

Darüber hinaus steigert die Vielfalt das Bewusstsein für globale Wertschöpfungsketten und die Bedeutung nachhaltiger Imkerei. Wer unterschiedliche Honige probiert, lernt die Besonderheiten verschiedener Regionen kennen und schätzt die Arbeit der Imkerinnen und Imker weltweit.

 

Politischer Handlungsbedarf

 

Damit Honigimporte auch künftig Versorgungssicherheit gewährleisten und transparenten Qualitätsstandards erfüllen, braucht es klare politische Rahmenbedingungen:

 

  • Klarheit bei Authentizitätsanalytik schaffen: Authentizitätsanalysen auf europäischer Ebene harmonisieren und validieren, um einheitliche Standards zu schaffen.
  • Lebensmittelsicherheit stärken: Risikobasierte Kontrollen unabhängig von der Herkunft (national wie international) konsequent umsetzen.
  • Aufklärung fördern: Verbraucher:innen faktenbasiert informieren, um Vorurteile abzubauen und das gute Image von Honig zu erhalten.
  • Nachhaltige Handelsabkommen: Kriterien für Qualität, faire Preise und Biodiversität verbindlich mit Partnerländern verankern.

 

Wir würden uns freuen, mit Ihnen in den Dialog über das Thema Authentizität von Honig zu treten

 

Den Politikbrief finden Sie hier zum Download:

 

Politik & Honig: Politikbrief 1 2025