Honigjagd mit Vogelhilfe in Mosambik

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In der Savannenlandschaft der Subsahara ist eine ganz besondere Zusammenarbeit zwischen Mensch und Tier zu beobachten: Der Große Honiganzeiger, ein spechtartiger Vogel, führt Menschen gezielt zu Bienennestern. Dabei hören die Vögel auf spezielle Lockrufe der einheimischen Honigjäger.

Eine ungewöhnliche Zusammenarbeit

In Mosambik lassen sich Honigjäger vom Volk der Yao zum begehrten Wildhonig führen. Die Rufe des Honigsammlers („Brrr-hm, Brrr-hm“) werden durch den Vogel mit einem besonderen Gesang beantwortet. So weist der Große Honiganzeiger (Indicator indicator) mit seinen Trillerlauten und einem auffälligen Flugverhalten den Menschen den Weg zu versteckten Bienennestern. Doch warum macht das Wildtier das? Der rund 20 Zentimeter große Spechtvogel ernährt sich am liebsten von Bienenwachs. Er schafft es jedoch ohne fremde Hilfe kaum, an das Wachs heranzukommen. Daran hindern ihn die aufgebrachten Bienen. Die Menschen vom Yao-Volk wissen um den Hilfegesuch des Vogels und mögen ihrerseits den Honig. Eine gute Basis für eine beidseitige erfolgreiche Zusammenarbeit. Die Honigjäger beruhigen mit Feuer und Rauch die Bienen. Danach öffnen sie die Baumlöcher und holen die Honigwaben hervor. Am Ende wird die Ernte geteilt: Dem Honiganzeiger wird das Wachs überlassen, der Mensch bekommt den Honig. Die Mühe lohnt sich. Der so erbeutete Honig ist nicht nur eine willkommene Nahrungsquelle, sondern hat im Wirtschaftssystem des Naturvolkes eine große Bedeutung. Bei der Volksgruppe der Yao geht die enge Zusammenarbeit mit dem Großen Honiganzeiger auf eine alte Tradition zurück und ist tief in deren Kultur verwurzelt.

Forscher sagen: Gemeinsam wahrscheinlicher zum Honig

Mittlerweile hat sich auch die Wissenschaft eingehender mit der besonderen Zusammenarbeit beschäftigt. Ein Forscherteam um die Zoologin Claire Spottiswoode von der britischen University of Cambridge hat untersucht, inwiefern die Menschen von der Kooperation profitieren. Das Ergebnis: Arbeiten die Yao mit dem Großen Honiganzeiger zusammen, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit einen Bienenstock zu finden durch den Lockruf von 17 auf 54 Prozent. Laut des Forscherteams stellt dies ein extrem seltenes Beispiel dar, bei dem sich freilebende Wildtiere und Menschen gegenseitig helfen. Die Kooperation zweier Arten von Lebewesen zum beiderseitigen Nutzen nennen Biologen Mutualismus.

Die Verbreitung des Honiganzeigers

Die Großen Honiganzeiger kommen aber nicht nur in dem afrikanischen Land am Indischen Ozean vor. Sie helfen auch Naturvölkern in anderen Savannenlandschaften der Subsahara, wie zum Beispiel den Hadza in Tansania, um an den kostbaren Wildhonig zu gelangen. Die Hadza nutzen hierfür ein charakteristisches Pfeifen.

Quellen:
http://www.deutschlandfunk.de/
https://www.zdf.de/
https://www.stuttgarter-zeitung.de/
http://www.spiegel.de/