Sachlage Pestizide im Honig

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Für die Honigproduktion fliegen die Bienen unzählige Pflanzen in ihrer Umgebung an – auch landwirtschaftliche Nutzpflanzen. In der Landwirtschaft werden meist chemische Pflanzenschutzmittel genutzt, um Nutzpflanzen vor Insektenbefall oder Krankheiten zu schützen. Doch was bedeutet der Einsatz dieser Mittel für die Bienen, ihren Honig und für die Verbraucherinnen und Verbraucher?

 

Strenge Regulierung von Rückständen

Wenn Bienen die mit Pflanzenschutzmitteln behandelten Pflanzen anfliegen, gelangen Rückstände von diesen Mitteln in den Bienenstock. Diese können auch in den Honig gelangen. Nehmen Menschen größere Mengen dieser Wirkstoffe auf, kann dies schädlich sein. Der Konsum von Honig ist allerdings sicher. Grund dafür sind vor allem die strengen Kontrollen und die festgelegten Höchstgehalte (sog. Maximum Residue Levels, kurz: MRL) für Pflanzenschutzmittel, welche die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (European Food Safety Authority, EFSA) erarbeitet und stetig überprüft. In Europa werden im Jahr insgesamt etwa 67.000 Proben von landwirtschaftlichen Produkten auf Rückstände von Pflanzenschutzmittel untersucht. Die EFSA nutzt für die Empfehlungen der MRL ein Berechnungstool, das neben den Analyseergebnissen auch nationale Daten aus den Mitgliedstaaten zum Lebensmittelkonsum einbezieht und sich an den anerkannten Methoden der Risikobewertung orientiert – für jeden einzelnen Wirkstoff und für jedes einzelne Produkt. Für Honig finden sich auf der Website der Europäischen Kommission derzeit Höchstwerte für etwa 500 Wirkstoffe. Hier bewegt sich der Bereich der Höchstgehalte bei den meisten Wirkstoffen zwischen 0,01 und 0,05 mg/kg. Die Höchstgehalte von Pestiziden in Honig sind auch viel strenger als bei anderen Warengruppen.

 

Von dem in den letzten Jahren in den Medien stark präsente Glyphosat beispielsweise darf in Honig nicht mehr als 0,05 mg/kg enthalten sein (Verordnung (EU) Nr. 293/2013), während andere Produkte, von denen man deutlich höhere Mengen verzehrt, die teilweise die 100-fache Menge an Glyphosat enthalten dürfen (z.B. Brot). Der Beitrag des Honigs zur Gesamtbelastung an Pestiziden ist also wirklich gering.

 

Honige bleiben unter Höchstgrenze

Alle in der EU verkauften Honige müssen unter den Grenzwerten bleiben – und das tun sie auch. Das fand die ESFA 2019 bei einer Untersuchung von 1.301 Proben von Honig und anderen durch Bienen produzierte Produkte, wie Bienenwachs oder Gelée Royal, heraus. In 1.024 Proben (78,7 Prozent) waren keine Rückstände nachweisbar. Bei 20,4 Prozent bzw. bei 265 Proben konnte die europäische Behörde zwar Rückstände unterhalb der MRL identifizieren. Nur bei zwölf der 1.301 Honigproben wurden die MRL überschritten. Am häufigsten wurden der Wirkstoff Thiacloprid gefunden, der zu den sogenannten Neonicotinoide (einer Gruppe von hochwirksamen Insektiziden) zählt und sehr viel im Rapsanbau eingesetzt wird.

 

Pestizide führen zu Bienensterben

Im Gegensatz zum Menschen haben Bienen mit dem Einsatz von Pestiziden und Insektiziden, vor allem die Neonicotinoide, in der Landwirtschaft schwer zu kämpfen. Neonicotinoide können bei Bienen für eine Schädigung des Nervensystems sorgen. Ihre Fähigkeiten zur Navigation und Kommunikation werden durch diese Wirkstoffe beeinträchtigt, wodurch die Bienen weniger Pflanzen anfliegen und schlechter zurück in den Bienenstock finden. Französische Forscher konnten zudem herausfinden, dass Neonicotinoide auch die Sterblichkeit der Bienen erhöhen. Als Ausgleich brüten die Bienen mehr Nachwuchs aus. Dabei handelt es sich dann aber vor allem um Arbeiterinnen und nicht um männliche Bienen. Das kann zu langfristigen Folgen im genetischen Pool des Bienenvolks führen. Auch andere Studien zeigen, dass der Einsatz von Neonicotinoiden zu Bienensterben führt. Außerdem fanden britische und irische Forscherinnen und Forscher heraus, dass Bienen von diesen Insektiziden angezogen werden. In ihren Tests flogen die Bienen eine mit Neonicotinoiden versetzte Zuckerlösung häufiger an als die reguläre Zuckerlösung. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vermuten aufgrund dieser Ergebnisse, dass die Neonicotinoide wie eine Droge auf die Bienen wirken könnten.

 

Ohne Bienen kein Honig

Für den Menschen haben die Rückstände im Honig keinen negativen Einfluss auf die Gesundheit – Untersuchungen wie die der EFSA zeigen, dass ihr Anteil im unkritischen Bereich liegt. Dazu kommen ständige Anpassungen und Neubewertungen der EFSA sowie das dichte Netz aus Lebensmittelkontrollen, bei welchen Unregelmäßigkeiten schnell auffallen und reguliert werden. Sofern eine Honigprobe auffällig ist, wird dieser Honig umgehend aus dem Verkehr gezogen – so geschehen im Fall eines Bioland-Imkerpaares aus Brandenburg.

 

Allerdings ist der Einsatz von Pestiziden und Insektiziden in der Landwirtschaft aus Sicht von Imkerinnen und Imkern bedenklich. Denn Neonicotinoide sind für die Bienen äußerst schädlich und einer der Hauptgründe für das Bienensterben.

 

Ohne Biene kein Honig – egal wo auf der Welt. Um Bienen effektiv zu schützen, ist ein verantwortungsvoller Umgang mit Pflanzenschutzmitteln und Insektiziden unumgänglich.

 

Quellen

efsa.europa.eu

br.de

umweltinstitut.org

bmel.de

scinexx.de