Weltbienentag: Bienen in Gefahr? Wer ist vom Aussterben bedroht?

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Der Schutz von Bienen ist derzeit in aller Munde. Die Vereinten Nationen haben den 20. Mai vor zwei Jahren zum Weltbienentag erklärt. In Deutschland wurde der Höhepunkt der Diskussion Anfang April mit der Zustimmung zum Volksbegehren „Rettet die Bienen“ in Bayern erreicht. Viele Medien berichten über ein Bienensterben, manche sehen sogar den Honig gefährdet. In der Öffentlichkeit entsteht dabei der Eindruck, dass alle Bienen in Gefahr sind. Doch welche Bienenarten sind vom Aussterben bedroht?

Bayern stimmt für die Bienen

Über eine Million Wahlberechtigte haben in Bayern Ende Februar für das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ zum Schutz der Artenvielfalt gestimmt. Das Ziel des Begehrens ist es, das Aussterben von Insekten und dabei insbesondere von Bienen zu verhindern. Die Maßnahmen sehen unter anderem vor, dass weniger Pestizide gestreut, Biotope geschaffen, mehr Blütenwiesen angelegt werden sowie eine nachhaltige Ausbildung der Landwirte sichergestellt wird. Zu diesem Zweck soll das Naturschutzgesetz in Bayern angepasst werden. Das Volksbegehren wurde von der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP) initiiert und wird von den Grünen und der SPD unterstützt. Der Zuspruch der Kampagne ist groß und nun soll das Thema auch im Europawahlkampf eine Rolle spielen. Inzwischen wurde die europaweite Initiative auch bei der europäischen Kommission eingereicht und von dieser voraussichtlich Ende Mai zugelassen.

Mittlerweile wird in der medialen Debatte ein weltweites Bienensterben proklamiert. Einige Menschen sind deshalb der Ansicht, dass dringender Handlungsbedarf besteht. Schließlich sind 80 Prozent aller Obst- und Gemüsesorten auf die Insektenbestäubung angewiesen.

Unterschiede zwischen Wild- und Honigbienen

Wenn in den Medien das Bienensterben thematisiert wird, ist die Diskussion jedoch häufig stark verallgemeinernd. In der öffentlichen Debatte wird oft nicht zwischen Honigbienen und Wildbienen differenziert. Um eine möglichst differenzierte Diskussion zum Bienensterben führen zu können, ist es wichtig die grundlegenden Unterschiede zwischen Wild- und Honigbienen zu kennen. Wildbienen leben im Gegensatz zu Honigbienen meist als Einsiedler. Fast 50 Prozent der Wildbienenarten leben unter der Erde, andere bevorzugen morsches Holz, Pflanzenstängel oder sogar leere Schneckenhäuser als Nistplatz. Im Gegensatz zur Honigbiene, die bei der Futtersuche einen Radius von sieben Kilometern hat, entfernt sich die Wildbiene nicht mehr als 70 bis 500 Meter von ihrem Nistplatz. Hinzu kommt, dass etwa 30 Prozent der Wildbienenarten auf wenige Pflanzenarten spezialisiert sind. Die Pflanzen und Bienen begeben sich dabei in gewisser Weise in eine Abhängigkeit. Die Pflanze bietet der Wildbiene Nahrung und ist wiederum von der Bestäubung durch diese Bienenart abhängig. Im Umkehrschluss bedeutet dies: stirbt die Wildbienenart aus, stirbt auch die Pflanzenart aus. Ein weiterer Unterschied ist, dass die Wildbiene den Nektar direkt als Nahrung nutzt und ihn nicht wie die Honigbiene erst in Honig umwandelt und dann für den Winter speichert.

Honigbienen sind nicht bedroht

Viele Menschen verbinden mit dem Thema Bienensterben die Honigbiene und den Honig auf dem Frühstückstisch. Die Honigbienen sind jedoch keineswegs vom Aussterben bedroht. Ganz im Gegenteil hat sich die Zahl der Bienenstöcke weltweit seit den Sechzigerjahren fast verdoppelt. Auch die Zahl der Imker steigt. Solange es Imker gibt, ist ein Aussterben der Honigbienen sehr unwahrscheinlich.
Bei den Wildbienen ist die Lage anders. Es leben etwa 560 Wildbienenarten in Deutschland. Die meisten sind der Bevölkerung unbekannt, denn Wildbienen leben meist allein in Völkern. Zu den bekanntesten Wildbienenarten zählen Hummeln, Zottel-, Pelz-, Sand- und Seidenbienen. Sie leisten genauso wie die Honigbienen unverzichtbare Arbeit bei der Bestäubung von Pflanzen. Laut Zahlen der Internationalen Naturschutzunion (IUCN) ist in Europa jede zehnte und in Deutschland rund die Hälfte aller Wildbienenarten vom Aussterben bedroht. Die Gründe für das Bienenstreben sind vielfältig. Forscher sind der Ansicht, dass große Felder und Monokulturen in der Landwirtschaft, Pestizide wie Glyphosat sowie schwindender Lebensraum durch die Ausbreitung von Städten mögliche Ursachen sein könnten.

Maßnahmen gegen das Wildbienensterben

Nach dem erfolgreichen Volksbegehren in Bayern gibt es in weiteren Bundesländern wie Baden-Württemberg, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Hessen ebenfalls Bestrebungen, ein Volksbegehen zu initiieren. Vertreter der bayerischen Regierung, Verbände und Umweltaktivisten sind momentan dabei, über die Umsetzung der Maßnahmen zu diskutieren. Am 08. Mai 2019 fand die erste Lesung des Volksbegehrens im bayrischen Landtag statt.

Möchte man selbst einen aktiven Beitrag zum Wildbienenschutz leisten, gibt es mehrere Möglichkeiten. Man kann zum Beispiel im heimischen Garten eine bunte Blumenwiese und ein Insektenhotel anlegen. Einheimische Pflanzen wie Thymian, Apfel, Kirsche, Zwiebeln und Rosenkohl sind bei Wildbienen ebenso beliebt, wie bei Menschen. Mit dem heutigen Weltbienentag bietet sich ein idealer Anlass, um die Schlüsselrolle der Bienen für die Natur, anzuerkennen und sich mit dem Schutz der Bienen zu befassen.

 

Quellen:
https://www.zeit.de

https://www.focus.de

http://www.spiegel.de

https://volksbegehren-artenvielfalt.de

https://www.deutschlandfunk.de

http://www.bee-careful.com

https://www.main-echo.de