Teuerster Honig der Welt –
Das „baschkirische Gold“

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In der heutigen Zeit geraten manche Traditionen in Vergessenheit. Das Wissen um sie geht verloren. Dies betrifft auch Bereiche, von denen man es anfänglich gar nicht vermuten würde: die Gewinnung von Honig.

Für viele Menschen ist der beliebte Vielblüten-Honig zum Frühstück ein Muss. Weniger bekannt ist hingegen ein traditionell hergestellter Waldhonig. Er stammt aus Baschkortostan, einer russischen Republik am östlichsten Rande Europas, westlich des Uralgebirges. Die kleine, weitestgehend unbekannte Republik gehört nicht nur dank ihres Erdölvorkommens zu den reichsten Gebieten Russlands. Dort wird außerdem einer der teuersten Honige der Welt produziert.

Die Mühen der Waldimker

In Baschkortostan wird immer noch die alte Kunst der Waldimkerei mit Wildbienen gepflegt. Die Waldimkerei oder Zeidlerei ist ein Familienbetrieb. Rund 500 Familien von 9.000 Imkereien in Baschkortostan betreiben diese uralte Tradition. Dort ist die Gewinnung von Honig besonders langwierig. Das Besondere an dieser sehr speziellen Imkerei ist, dass der Mensch beinahe gar nicht in den Prozess der Honiggewinnung eingreift. Außerdem unterscheiden sich die dort lebenden Wildbienen stark von den heimischen Bienen: sie sind dunkler, wurden kaum mit anderen Arten gekreuzt und leben unter deutlich raueren Umständen. Die kaum domestizierten Wildbienen lassen sich nicht einfach ein Nistplatz zuweisen. Die Waldimker bemühen sich jedoch, in den Baumwipfeln geeignete Plätze für die Bienen zu finden, wo sie vor Jägern und Räubern sicher sind. Werden sie fündig, präparieren sie den Nistplatz. Einen Baum entsprechend vorzubereiten kann aufgrund der ökologischen Umstände und der schlechten Arbeitsbedingungen jedoch Jahre dauern. Er muss zunächst aufwändig entwipfelt werden, damit der Baum auch schweren Stürmen standhält. Bis die Baumhöhle vollständig getrocknet und bereit für den ersten Bienenschwarm ist, müssen sich die Imker oft jahrelang gedulden. Denn es kommt vor, dass die wild lebenden Bienen den Nistplatz nicht akzeptieren. Dann muss die ganze Prozedur an einem neuen Baum wieder von vorne beginnen. Haben sich die Wildbienen schlussendlich für eine Höhle entschieden, kann die jährliche Honigernte beginnen.

Die Bienen leben in dem riesigen Naturreservat Schulgan-Tasch im Umkreis von mehreren Kilometern nahezu ungestört. Diese Distanz erschwert den Waldimkern die Arbeit. Ausschließlich einmal im Jahr, im September, werden die Waben entnommen. Den Zeitpunkt geben die Wildbienen vor, denn im Herbst verschließen sie die Waben für den Winter. Die Art der Wabenentnahme ist jedoch umstritten, da sie als zerstörerisch gilt.

Das „baschkirische Gold“

All diese Mühen der Waldimker werden am Ende belohnt. Pro Jahr und Volk kann ein Imker 15 bis 25 Kilogramm des besonderen Waldhonigs ernten. Die 9.000 Imkereien aus Baschkortostan produzieren fast zehn Prozent des in Russland produzierten Honigs.

In Moskau sind die Preise für den Waldhonig in astronomische Höhen geschossen: Bis zu 200 Euro kostet dort ein Kilogramm des begehrten Produkts; ein Preis, der ihm den Beinamen „baschkirisches Gold“ verlieh.

 

Quellen:

http://www.spiegel.de/

http://www.kulturportal-russland.de/

http://www.baschkirienheute.de/