Klimawandel: Bedrohung für die Honig-Ernte

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Allein in Deutschland sind 84 Prozent der Nutzpflanzen von der Fremdbestäubung abhängig. Bienen spielen als Hauptbestäuber von Blüten und Pflanzen dabei die zentralste Rolle. Die Westliche Honigbiene Apis mellifera verantwortet mehr als 90% der Bestäubung in der Landwirtschaft weltweit (Genersch et al. 2010).

 

Die Versorgungssicherheit mit Honig ist in Gefahr, denn die Folgen des Klimawandels haben globale Auswirkungen. Weltweit verändern sich Flora und Fauna, Blütezeiten sowie Krankheitserreger und Viren. Dadurch ist unmittelbar die Versorgungssicherheit des Lebensmittels Honig bedroht, da Ernten weniger ertragreich ausfallen und die Verfügbarkeit geschmälert wird. Wieso bedroht der Klimawandel die Versorgungssicherheit und inwiefern wirkt sich das Wetter auf Biene, Blüten und Honigernte aus?

 

Veränderung der Flora und Fauna

Die Temperatur ist der wichtigste Indikator, um den Klimawandel nachzuverfolgen. Temperaturveränderungen, insbesondere Erwärmung, haben verheerende Auswirkungen für Bienen und Pflanzen. Das gemeinsame Timing zwischen Erwachen der Biene aus der Winterruhe und der Blütezeit im Frühling ist miteinander exakt abgestimmt. Bei sich verändernden und schwankenden Temperaturen gerät die zeitliche Synchronisation das Ökosystem nun allerdings ins Wanken und verliert die Balance.

 

Winterruhe und Blütezeit geraten durcheinander

Milde Winter haben zur Folge, dass Bienenvölker entweder gar keine Brutpause einlegen oder ggf. zu früh mit der Vergrößerung des Brutnests beginnen. Aufgrund des enormen Energiebedarfs, der für die Verpflegung der Brut aufgewendet werden muss, sinkt der Futtervorrat der Völker um einiges schneller. Des Weiteren führt das verfrühte Einsetzen des Frühlings dazu, dass Bienen viel länger wechselnden Wetterkapriolen, wie sie zwischen Februar und Mai durchaus häufiger vorkommen, ausgesetzt sind.

 

Durch diese Anstrengungen verschwendet die Biene ihre ausgehungerten Energiespeicher bei der erfolgslosen Nahrungssuche. Ohne Nahrungsaufnahme sterben viele Bienen deshalb in den ersten Tagen noch vor den ersten Blüten. Diejenigen, die überleben, zeigen verminderte Aktivitäten. Die Universität Würzburg bestätigt diese Annahmen in einer Studie über solitäre Bienen (Schenk et al. 2017). Zudem ist die Überlebenschance von Bienen hinsichtlich der Verfügbarkeit von Nektar und Pollen wesentlich kürzer als bei Pflanzen (Benadi et al. 2014).

 

Zudem können Temperaturschwankungen um die 10° zur Folge haben, dass bei rapiden Temperatursenkungen unter 8°, die auch durch Schatten verursacht werden können, die Biene noch auf ihrer Reise in eine Art Kältestarre fällt und stirbt.

 

Blütezeit von Pflanzen verändern sich

Doch nicht nur Bienen reagieren auf die Temperatur empfindlich, sondern auch Pflanzen. So kann es vorkommen, dass Blütentypen nicht erst zu spät, sondern bereits zu früh verblühen. Das geschieht, wenn über mehrere Tage der Temperaturschwellenwert der Biene von 10° nicht überschritten wird, die Temperaturen zwischen 8° bis 9° jedoch bei anderen Pflanzenarten ausreicht, damit die Blühreife eintritt. Die Folge ist, dass die Blüten verblühen, ehe Pollen und Nektar gesammelt werden konnten.

 

Könnte die Biene daher nicht einfach einen anderen Blütentyp anfliegen, der zum gegebenen Zeitpunkt besser in ihren Lebenszyklus passt? Nein, denn die Honigbiene ist „blütenstet“. Die Sammelbiene muss bei jedem Blütentyp zuerst lernen, wo Pollen und Nektar zu finden sind. Für die Biologie der Pflanze ist das deshalb wichtig, da nur Pollen derselben Pflanzenart eine Blüte erfolgreich befruchten kann. Die Blütenstetigkeit der Honigbiene bedeutet demzufolge, dass sie immer nur denselben Blütentyp anfliegt. Dieses Spezifikum ist mitunter ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zwischen der Honig- und Wildbiene.

 

Extremwetterlagen schaden Honigerzeugung

Neben einem schleichenden Prozess klimatologischer Veränderungen, der die Temperaturen mittel- bis langfristig verändert, häufen sich meteorologische Extremwetterereignisse in allen Weltregionen. Sowohl Dürre und Trockenheit als auch Starkregen und Flutwasser können massive Schäden an Natur und Umwelt anrichten. So kann die Nektarproduktion des Lavendels bei anhaltender Trockenheit gehemmt oder gar vollständig blockiert werden.

 

Durch anhaltende Trockenheit wird zudem die Qualität des Honigtaus der Insekten negativ beeinflusst. Dadurch wird der Meltau für die Honigbiene unbrauchbar. Infolge starken Niederschlags kann sich der Nektar der Akazie verdünnen und wird für die Honigbiene unattraktiv. Zudem ist der Honig aufgrund des hohen Wassergehalts nicht so lang haltbar wie sonst. Darüber hinaus lassen anhaltende extreme Wetterveränderungen, wie beispielsweise Dürre, ganze Landstriche blütenlos oder gar verwüstet zurück. Zuzüglich der ökologischen Bedrohung für Natur und Umwelt geraten wirtschaftliche Existenzen der Landwirte und Imker in Gefahr.

 

Klimawandel lässt Insekten wandern

Die Temperaturveränderungen beeinflussen auch die Aus- und Verbreitung von Tier-, Insekten- und Pflanzenarten. Einerseits können heimische Arten, wie bereits angeführt, in ökologische Schwierigkeiten geraten. Andererseits können sich neue Arten in neue Lebensräume ausbreiten. Dabei kann es unter konkurrierenden Arten zu Verdrängungseffekten kommen. Dabei stehen vor allem auch Honig- und Wildbienen in einem Konkurrenzverhältnis zueinander. Es droht eine Ressourcenknappheit von Nektar, wenn Wild- und Honigbiene sich auf dieselbe gemeinsame Blütenart begrenzen müssen, wenn bisherige Arten verdrängt werden.

 

Gleichzeitig wird beobachtet, dass viele Bienenarten in den geografischen Norden wandern, um ihren an Temperatur und Klima gewohnten Lebensraum beizubehalten. So wurden bereits Bienenarten in Deutschland beobachtet, die ursprünglich ausschließlich in anderen Regionen beheimatet sind. So kommt die Bienenart Anthidium florentinum derweil auch in Deutschland vor, obwohl sie eigentlich in Italien beheimatet ist. Auf Gebirgen lässt sich dokumentieren, dass heimische Arten zunehmend gen Gipfel siedeln. Letzteres ist deshalb problematisch, weil sich hierbei der Lebensraum mit dem Aufstieg aufgrund geringerer Flächen verengt. Besonders stark bedroht sind deshalb vor allem Hummeln, da sie vornehmlich in höheren bzw. kühleren Lagen beheimatet sein können.

 

Veränderungen von Krankheiten und Viren

Manche Krankheitserreger und Viren vermehren sich je nach klimatologischen Bedingungen besser oder schlechter. Insbesondere die Varroamilbe setzt den Bienenvölkern lebensbedrohlich zu. Das Deutsche Bienen-Monitoring-Projekt der Universität Hohenheim kam zum Ergebnis, dass unter den von ihnen untersuchten Faktoren der Befall mit der Varroamilbe (Varroa destructor) „eindeutig die entscheidende Rolle“ für die Winterverluste von Honigbienenvölkern spielt (Genersch et al. 2010). Der Virus der Varroamilbe infiziert dabei insbesondere die Bienen im Herbst.  Über die Bedrohung der Varroamilbe informiert auch der Honig-Verband.

 

Darüber hinaus wandern neue invasive Arten; d. h. Parasiten aus anderen Weltregionen, die sich aufgrund angepasster Rahmenbedingungen festnisten und für die hiesigen Bienenarten zur Bedrohung werden, wie beispielsweise der Kleine Beutelkäfer aus Südafrika oder die asiatische Hornisse. Dabei gibt es nicht nur Parasiten, die zur unmittelbaren Bedrohung für die Bienen oder ihre Bienenstöcke werden, sondern laut Umweltbundesamt auch Pflanzen parasitär angreifen und damit der Biene ihrer Nahrungsgrundlage entzieht.

 

Doch wie geht die Landwirtschaft effektiv gegen Schädlinge und Parasiten vor? Landwirte setzen Gifte, Pestizide und Spritzmittel ein – auch als Schutzmittel und Insektizide gegen andere Bedrohungen – die dann fatale Folgen auf die Bienenvölker und Kolonien haben können. Der Konsum von Honig ist sicher, jedoch haben Bienen mit dem Einsatz von Pestiziden, vor allem Neonicotinoide, zu kämpfen. Der Honig-Verband erläutert in einem anderen Artikel die Sachlage Pestizide im Honig. Ein weiteres Problem, das in diesem Zusammenhang auftauchen kann, ist ebenfalls durch die Maßnahmen der Landwirtschaft bedingt, denn immer mehr abgedichtete Gewächs- und Treibhäuser entziehen den Bienen ihren natürlichen Zugang zu den Blüten.

 

Auswirkungen auf die Ernte und Konsequenzen

Der Klimawandel wirkt sich schlussfolgernd auf die Ernte und den sensiblen Honigmarkt weltweit aus. Honig ist und bleibt ein Naturprodukt, das von der Herstellung durch die fleißige Biene abhängt. Ist der Lebensraum der Biene bedroht oder die florale Umgebung geschädigt, schmälert es die Produktion von Honig auf allen Ebenen mit gefährlichen Konsequenzen für Landwirtschaft und Tier.

 

Der Honig-Verband und seine Mitglieder setzen sich deshalb für den Schutz der Bienen und unserer aller Natur ein. Als Akteur der deutschen Honigimporteure und -abfüller engagieren sie sich international.

 

Quellen

www.apidologie.org

www.bee-careful.com

www.oxfam.de

www.bees4life.org

www.beebetter.de

www.ble.de

www.bienen-gesundheit.com

www.bund-bawue.de

www.destatis.de

www.greenpeace.de

www.honig-verband.de

www.proplanta.de

 www.umweltbundesamt.de

www.uni-hohenheim.de

www.uni-wuerzburg.de

www.welt.de

www.wwf.de