Australiens Heavy-Metal-Bienen

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Headbanging ist nicht nur eine Sache für Besucher von Heavy-Metal Konzerten, auch die Bienen in Australien können wild mit dem Kopf schütteln. Die australische Blauband-Pelzbiene (Amegilla murrayensis) ist dabei allerdings etwas schneller als der durchschnittliche Heavy-Metal Fan. Denn sie bewegt ihren Kopf bis zu 350-mal pro Sekunde hin und her. Das Headbanging der Bienen hat aber einen praktischen Hintergrund: durch die schnellen Kopfbewegungen lösen sie Pollen aus den Blüten und sorgen damit für die Bestäubung.

 


Pollensammeln mit Köpfchen

Die Blauband-Pelzbienen, welche sich auch optisch durch die metallisch-blauen Streifen von anderen Bienenarten abheben, praktizieren die sogenannte Vibrationsbestäubung. Bei der Vibrationsbestäubung erzeugen die Bienen mit heftigen Körperbewegungen Frequenzen, mit denen verschlossene Pollen aus den Blüten herausgelöst werden sollen. Etwa acht Prozent aller bedecktsamigen Pflanzen der Welt können sich nur fortpflanzen, wenn die Pollen aus den Blüten durch Vibrationen gelöst werden. Dazu zählen unter anderem auch Tomaten, Auberginen, Heidelbeeren oder Chilis. Andere Vibrations-Bestäuber als die australische Bienenart, wie beispielsweise Hummeln, nutzen starke und schnelle Flügelschläge, um die Pollen aus den Blüten zu lösen. Die Blauband-Pelzbiene nutzt allerdings den Kopf. Mit den schnellen Kopfbewegungen, die an das Headbanging von Heavy-Metal-Fans erinnern, löst sie die Pollen aus den Blüten. Aufmerksam wurden die Forscher der University of Adelaide, der University of California und der Harvard University auf diese unkonventionelle Art des Pollensammelns durch das höhere Summen der australischen Bienen im Vergleich zu den Hummeln aus Übersee. Denn bei der Vibrationsbestäubung entsteht durch die schnellen Bewegungen ein charakteristisches Summen. Um den Grund des höheren Summens der Blauband-Pelzbienen zu ermitteln, beobachteten die Forscher die Bienen mit einer Hochgeschwindigkeitskamera beim Pollensammeln. Mit den Zeitlupen-Aufnahmen konnten die Forscher das Geheimnis hinter dem Summen herausfinden. Die Blauband-Pelzbienen erreichen höhere Frequenzen mit ihren Kopfbewegungen als die Hummeln mit ihren Flügelschlägen.

 


Unkonventionell, aber effizient

Bei den Nachforschungen zeigte sich nicht nur die ungewöhnliche Methode der Blauband-Pelzbienen, sondern auch, dass diese deutlich effektiver ist als die Methode der Hummeln. Die australischen Bienen benötigen weniger Zeit an den einzelnen Blüten und sie müssen diese auch weniger häufig anfliegen als die nordamerikanischen Hummeln. Diese Entdeckung könnte auch für den Pflanzenanbau in Australien interessant werden. Da es in Australien keine Hummeln gibt, wurden die Tomatenpflanzen in Gewächshäusern bislang mechanisch geschüttelt, um eine Bestäubung der Pflanzen zu gewährleisten. Die Blauband-Pelzbienen könnten das mechanische Schütteln in Zukunft allerdings ablösen. Denn ihre Heavy-Metal-Methode zum Pollensammeln ist effektiver und effizienter als das mechanische Schütteln.

Ob die Bienen aber auch headbangen, wenn sie den Klängen von Metallica oder Black Sabbath lauschen, untersuchten die Forscher leider nicht.

 


Quellen
:

www.wissenschaft.de
www.livescience.com
www.rmit.edu.au
www.australiangeographic.com.au
wikipedia.org