Äthiopien: Honig mit Tradition

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Äthiopien boomt. Lange wurde Afrika mit Armut, Dürre und Hungerkatastrophen in Verbindung gebracht. Mittlerweile gehört der Anbau und Export von Kaffee zu den bekanntesten Wirtschaftszweigen des Kontinents. Im ostafrikanischen Äthiopien setzt man jedoch auf eine weitere Industrie in der Landwirtschaft: die Imkerei.

Diese hat in Äthiopien eine lange Tradition. Nur wenige Länder der Welt blicken auf eine so lange Geschichte der Imkerei zurück wie der Binnenstaat in Nordost-Afrika. Teils wird der produzierte Honig exportiert, größtenteils aber auch weiter behandelt und zu dem dort sehr beliebten traditionellen Honigwein „Tej“ vergoren. Doch Honig versüßt nicht nur die Getränke und Speisen der Äthiopier, er kann auch Existenzen sichern.

Potenzial zum Marktführer

Kaum ein Wirtschaftszweig ist so vielversprechend wie die Honigproduktion. Äthiopien zählt schon heute zu den zehn größten Honigproduzenten der Welt. Dafür sorgen fünf Millionen Bienenstöcke und knapp 1,8 Millionen Imker. Die jährliche Honigproduktion beträgt mittlerweile 55.000 Tonnen. Laut Experten könnte dieser Ertrag zehn Mal höher sein. Damit wäre Äthiopien Weltmarktführer in der Honigproduktion.

Herausforderungen bei der traditionellen Imkerei

Doch warum kann Äthiopien das Potenzial nicht nutzen? Die Imkerei bleibt ein riskantes Geschäft. Fast neunzig Prozent der Bienenstöcke werden noch auf traditionelle Weise bewirtschaftet. Das bedeutet: die Imker locken die Bienen mithilfe eines uralten Tricks an. Dazu hängen Sie eine röhrenartige Konstruktion hoch in den Bäumen auf. Doch viele Imker verletzen sich beim Klettern schwer; teils durch Stürze, teils durch die Bienen, welchen sie sich ohne modernes Equipment nähern. Ein weiterer Schwachpunkt der traditionellen Bienenzucht ist die Nachhaltigkeit: Bei der Ernte werden die Waben mangels adäquater Ausrüstung teilweise mit Gewalt aus der Röhre gebrochen. Die Stätte des Bienenvolks wird dabei in der Regel zerstört. Um den Honig von den Waben zu trennen, nutzen die Imker ebenfalls veraltete Ausrüstung.

Wege in die Moderne

Subventionierte, moderne Bienenkästen sollen nun den Weg zu einer positiven Veränderung ebnen. Dank ihnen fällt nicht nur das Risiko für Verletzungen und Stürze beinahe vollständig weg – sie vermehren auch den Ertrag. Im Vergleich zu den traditionellen Bienenstöcken können die Imker sich über einen vier Mal höheren Ertrag freuen. Da der Honig sich mit dem neuen System leichter von der Wabe trennen lässt, wird auch die Reinheit des Honigs erhöht. Deshalb können die ortsansässigen Imker einen höheren Preis auf den Märkten der Hauptstadt Addis Abeba verlangen. Die modernen Bienenkästen sind also ein guter Schritt, um das Potenzial der äthiopischen Imkerei noch besser zu nutzen. Vielleicht sehen wir dann in Zukunft vermehrt äthiopischen Honig in deutschen Supermärkten.

 

Quellen:

https://www.meneschenfuermenschen.de

https://andreas-hermes-akademie.de

https://www.annabelle.ch

https://fair-handel.net

https://www.bienenjournal.de